PISA 2025: Leseförderung darf nicht erst in der Schule beginnen

Netzwerk „Was steht da?“ fordert Kurswechsel in der Bildungspolitik – zweites verpflichtendes Kindergartenjahr als Chance für flächendeckende frühe Leseförderung

Die Verschlechterung der Lesekompetenz österreichischer 15- bis 16-Jähriger bei PISA 2025 ist für das interdisziplinäre Netzwerk „Was steht da?“ ein deutlicher Auftrag zum Handeln. Entscheidend ist, nicht erst in der Schule anzusetzen: „Lesenlernen beginnt nicht am ersten Schultag. Es beginnt mit den ersten Geschichten, Gesprächen und Büchern eines Kindes“, betont das Netzwerk.

Frühe Jahre entscheiden über Bildungschancen

Kinder begegnen Sprache und Geschichten von Geburt an. Diese frühen Erfahrungen beeinflussen Wortschatz, Selbstvertrauen und den weiteren Bildungsweg. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Sprach- und Lesekompetenz durch die Digitalisierung weiter gestiegen.

„Wenn wir bessere Lesekompetenz erreichen wollen, müssen wir dort ansetzen, wo die Grundlagen gelegt werden: in den Familien, im Kindergarten und im unmittelbaren Lebensumfeld der Kinder“, fordert das Netzwerk.

Leseförderung ist dabei eine gemeinsame Aufgabe von Familien, elementaren Bildungseinrichtungen, Schulen, Bibliotheken, Gesundheitswesen, Gemeinden, Ehrenamtlichen und Medien. Das Collective-Impact-Netzwerk „Was steht da?“ vereint Erfahrungen und Wissen aus unterschiedlichen Praxisfeldern der frühkindlichen Leseförderung und fordert, diese stärker miteinander zu verknüpfen.

Kein Kind darf vom Zugang zu Büchern ausgeschlossen sein

Aus Sicht des Netzwerks darf der Zugang zu Büchern nicht vom Einkommen oder sozialen Hintergrund einer Familie abhängen. Bibliotheken, elementare Bildungseinrichtungen und Schulen benötigen dafür verlässliche Finanzierung, ausreichend Personal und langfristig abgesicherte Programme.

„Jedes Kind hat das Recht auf Geschichten, Bücher und gute sprachliche Bildung – unabhängig davon, wie viel Geld oder Zeit eine Familie zur Verfügung hat“, so „Was steht da?“.

Das ab 2027 verpflichtende zweite Kindergartenjahr bietet eine besondere Chance, alle Kinder frühzeitig zu erreichen. Dafür braucht es jedoch entsprechende Qualitätsstandards und Ressourcen.

Maßnahmen für einen wirksamen Kurswechsel

Das Netzwerk fordert insbesondere:

  • Stärkung der Familien: Alltagsnahe und mehrsprachige Informationen sollen Eltern zeigen, wie Erzählen und Vorlesen Kinder stärken. Lesepat:innen sollen die Förderung in Familien ergänzen – mit klaren Rollen, Schulungen und professioneller Begleitung.

  • Verlässliche Qualität in elementaren Bildungseinrichtungen: Bundesweit vergleichbare Qualitätsstandards, gut ausgebildete Fachkräfte und ausreichend Zeit für Beziehungsarbeit sollen frühe Sprach- und Leseförderung absichern.

  • Besserer Übergang in die Volksschule: Kindergarten und Volksschule müssen enger kooperieren, damit sprachliche Fortschritte und Förderbedarfe beim Wechsel nicht an institutionellen Grenzen verloren gehen.

„Das verpflichtende zweite Kindergartenjahr kann zu einem entscheidenden Hebel werden. Voraussetzung ist aber, dass es nicht nur um Betreuung geht, sondern um hochwertige frühkindliche Bildung mit ausreichend Personal und Zeit“, erklärt das Netzwerk.

Investition statt Reparatur

Bund, Länder und Gemeinden seien nun gefordert, gemeinsam mit Praxis und Wissenschaft eine langfristige Strategie für frühe Leseförderung umzusetzen. Internationale Forschung zeigt, dass Investitionen in frühe Bildung langfristige soziale, kulturelle und wirtschaftliche Wirkung entfalten.

„Die PISA-Ergebnisse zeigen, was passiert, wenn wir zu spät ansetzen. Gute Lesekompetenz lässt sich nicht kurzfristig reparieren – ihre Grundlagen müssen Jahre vorher geschaffen werden“, lautet der Appell des Netzwerks.

„Was steht da?“ fordert daher einen bildungspolitischen Kurswechsel: Frühe Leseförderung muss ins Zentrum der Bildungspolitik rücken: nicht als Zusatzangebot, sondern als Grundlage für faire Bildungschancen.

Rückfragen:
Was steht da?
Netzwerk frühe Leseförderung

Klara Zeiner
office@wasstehtda.at
+43 681 102 900 91‬

Was steht da ist eine Initiative von Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik und The Things We Learn